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Europas deutschsprachige Bürgermeisterinnen zu Gast in St. Ulrich am Pillersee

von Martin Weigl (Kommentare: 0)

Bild WMP: 75 Bürgermeisterinnen aus dem deutschsprachigen Europa

Von 6. bis 8. August 2018 fanden sich rund 75 Bürgermeisterinnen aus den deutschsprachigen Ländern Europas in St. Ulrich am Pillersee (Tirol) zu einem Arbeitstreffen ein. Mit dem landesüblichen Empfang, dem Tiroler Zapfenstreich und Ausflügen in der Region setzte die Veranstaltung auch gesellschaftliche Höhepunkte.

Einmal im Jahr geben die Bürgermeisterinnen ein starkes Signal: 161 Bürgermeisterinnen bei 2.098 Gemeinden in Österreich ist immer noch viel zu wenig. „Gerade bei den kommunalen Spitzenpositionen gibt es den größten Handlungsbedarf, denn auf Ebene der Vizebürgermeisterinnen und Gemeinderätinnen gibt es bereits viel mehr Frauen. Daher muss es allen Ebenen ein zentrales Anliegen sein, die Funktion so attraktiv zu machen und Frauen darin zu bestärken, dass sie sich für das Bürgermeisteramt entscheiden“, fordert Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl.

Von 6. bis 8. August 2018 trafen sich daher rund 75 Bürgermeisterinnen aus Österreich, Deutschland, der Schweiz, Südtirol und Luxemburg in St. Ulrich am Pillersee, um über die Strategien in den einzelnen Ländern zu sprechen und Lösungen zu fördern. Unter ihnen Österreichs jüngste Bürgermeisterin Elisabeth Feichtinger (Altmünster) und Bayerns jüngste Ortschefin Annika Popp (Leupoldsgrün). Aus Deutschland reisten elf Bürgermeisterinnen an, aus Südtirol vier, aus der Schweiz sieben und aus Luxemburg zwei. „Dies soll der Start eine europäische Zusammenarbeit zu diesem Thema sein“, betonte der Gemeindebund-Präsident.
Im Zentrum dieser Zusammenkunft stand wie auch bei den österreichischen Treffen der Austausch, der Blick über den Tellerrand und die Stärkung der amtierenden Bürgermeisterinnen. Den Montagnachmittag verbrachten die Bürgermeisterinnen im Salonformat mit Art-of-hosting-Pionierin Mag. Ursula Hillbrand. Dabei konnten sie die Erfahrungen und das Wissen ihrer Kolleginnen für eigene Projekte und Fragestellungen nutzen. Am Dienstag und Mittwoch standen Workshops zu europäischen Themen, der persönlichen Work-Life-Balance und der sozialen Absicherung auf dem Programm.
Der Blick über den Tellerrand, der bei diesen Treffen ebenso wie der Austausch im Zentrum steht, gewinnt im Halbjahr der europäischen Ratspräsidentschaft Österreichs aber eine neue Dimension. „Als begeisterte Bürgermeisterin seit mittlerweile acht Jahren war und ist es mir ein Bedürfnis, etwas an die nächste Generation weiterzugeben. Ich habe schon lange die Idee in mir getragen, dass ich bei einer Wiederwahl 2016 als Bürgermeisterin ein europäisches Bürgermeisterinnentreffen auf die Beine stellen möchte. Ich bin froh, dass diese Idee auch dank der Unterstützung des Österreichischen Gemeindebundes nun umgesetzt wird“, sagte Bürgermeisterin und Initiatorin Brigitte Lackner.

Zur Eröffnung erschienen auch Tirols Landeshauptmann Günther Platter, Landesrätin Mag.a Dr.in Beate Palfrader, Tirols Gemeindeverbands-Präsident Bgm. Mag. Ernst Schöpf, ADEG-Vorstandsvorsitzende Mag.a Alexandra Draxler-Zima als Vertreterin des größten Sponsors, und Bürgermeisterin Sonja Ottenbacher, die 2007 das erste österreichische Bürgermeisterinnentreffen im Salzburger Stuhlfelden organisiert hat. Schöpf begrüßte die Teilnehmerinnen: „Ich freue mich, dass Tirol für dieses Vernetzungstreffen ausgewählt wurde.“ In Tirol liegt die Quote noch bei 5,7 Prozent. „Mit dem Empowerment-Programm des kommunalen Ausbildungsinstituts Grillhof wollen wir noch mehr Frauen darin bestärken, solche Ämter auch aktiv anzustreben“, so der Tiroler Gemeindeverbandspräsident. Ähnliche Programme für politisch aktive Frauen gibt es in Österreich bereits in einigen Bundesländern. Landesrätin Beate Palfrader ergänzt zudem: "Es ist wichtig, dass wir Frauen, die politische Verantwortung übernehmen und sich in politischen Funktionen engagieren wollen, fördern. Ich freue mich, beim heutigen Bürgermeisterinnentreffen dabei zu sein und auf viele starke Frauen zu treffen, die in der Politik mitgestalten und Vorbild für zahlreiche andere Frauen sind."

Gesellschaftliche Höhepunkte in der Region

Mit dem landesüblichen Empfang, dem Tiroler Zapfenstreich und Ausflügen in der Region setzte die Veranstaltung auch gesellschaftliche Höhepunkte. „Wir sehen dies auch als große Chance unsere Region zu präsentieren, schließlich sind die Bürgermeisterinnen auch große Multiplikatorinnen“, meint Brigitte Lackner. Bei Ausflügen lernten die Bürgermeisterinnen andere Gemeinden und deren Projekte kennen. So standen etwa Ausflüge auf das Jakobskreuz, zum Seeleuchten sowie bei heimischen Firmen und Tourismusanbietern auf dem Programm.  Die Stadtbesichtigung in Kitzbühel mit Bürgermeister Dr. Klaus Winkler samt Abendprogramm im Rasmushof durfte ebensowenig fehlen wie der Besuch in der Sportalm. Bürgermeisterin Annemarie Plieseis lud die Teilnehmerinnen in die Alpenschule Westendorf ein, wo vor allem die bunt geschmückten Bauernhöfe und die typischen Tiroler Schmankerln für Begeisterung sorgten. Für Begleitpersonen wurde ein eigenes Sightseeing Programm angeboten, bei dem weitere Höhepunkte wie die Bergerlebniswelten präsentiert wurden. Ein besonderes Highlight stellte sicherlich der landesübliche Empfang durch Landeshauptmann Günther Platter und Bürgermeisterin Brigitte Lackner im Dorfzentrum von St. Ulrich am Pillersee dar. Beim Tiroler Zapfenstreich, für den die Musikkapelle und die vielen weiteren örtlichen Traditionsvereine bereits seit April probten, war auch der Komponist Florian Pedarnig anwesend. „Eine besondere Ehre ist für uns die Aufführung des „Tiroler Zapfenstreiches“ und dies auch noch in Anwesenheit des Komponisten. Ich bin unglaublich stolz auf die St. Ulricher Traditionsvereine, die so intensiv an der Umsetzung gearbeitet haben und das so beeindruckend aufgeführt haben“, so die sichtlich gerührte Bürgermeisterin Brigitte Lackner bei ihrer Dankesrede zum Abschluss des Abends.


Weitere Hintergrundinformationen

Dr. Helga Lukoschat, Vorstandsvorsitzende der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft (EAF) Berlin macht in ihrem Vortrag beim Treffen klar, dass Österreich mit dem Problem der Unterrepräsentanz von Bürgermeisterinnen im europäischen Vergleich nicht alleine dasteht: „In Deutschland, Luxemburg, Liechtenstein, der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens und Südtirol ist der Prozentsatz von Frauen zwar etwas höher, aber immer noch unter 13 Prozent.“ In der Schweiz fehlen aktuelle Daten zu allen Gemeinden. Um einen Eindruck für die schweizerische Gemeindeebene zu bekommen, hat Lukoschat die Kantone Wallis und Bern analysiert, wo der Anteil der Gemeindepräsidentinnen (entspricht der Funktion der Bürgermeisterin in Österreich) bei 9,5 Prozent (Kanton Wallis) und 16 Prozent (Kanton Bern) liegt.

Bürgermeisterinnenanteil im Vergleich der deutschsprachigen Regionen und Staaten

Bei den vergangenen Tiroler Gemeinderatswahlen hat sich die Anzahl der Bürgermeisterinnen von elf auf 16 erhöht. Die Anzahl der Vizebürgermeisterinnen beläuft sich derzeit auf 30. Zudem sind in Tirol 120 von 703 GemeindevorständInnen sowie 618 von 2.450 GemeinderätInnen weiblich. "Alles in allem sind es in Tirol immer mehr Frauen, die sich politisch engagieren. Das ist selbstverständlich zu begrüßen - es gibt allerdings noch Luft nach oben. Daher ist es wichtig, dass wir entsprechende Rahmenbedingungen schaffen, die es ambitionierten Frauen erleichtern, ihre Ideen und Meinungen in das gesellschaftspolitische Zusammenleben einzubringen", verweist Landeshauptmann Günther Platter beispielhaft auf die in der Vergangenheit initiierte Novelle der Tiroler Gemeindeordnung: "Dadurch wurde die Möglichkeit geschaffen, sich durch Ersatzmitglieder nicht nur bei Gemeinderatssitzungen, sondern auch in Ausschüssen vertreten zu lassen. Durch ein höheres Maß an Flexibilität wird besonders den Gemeinderätinnen ihre wertvolle Arbeit erleichtert. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf spielt auch in der Politik eine wichtige Rolle."

Die Bedeutung von starken, selbständigen Frauen vertiefte auch ADEG Vorstandsvorsitzende Alexandra Draxler-Zima in ihrem Impulsstatement. „ADEG bietet ein in Österreich einzigartiges Nahversorgungskonzept. Alle Märkte werden von eigenständigen Kaufleuten betrieben, knapp ein Drittel davon sind Kauffrauen. Eine Zahl auf die wir sehr stolz sind, denn Frauen bieten oft Nahversorgung mit zusätzlichem Mehrwert. Sie sind sich ihrer sozialen Rolle mehr als bewusst und machen ihre Märkte sehr oft zum sozialen Mittelpunkt ihrer Gemeinde. Sie sind Arbeitgeberinnen, Lehrlingsausbilderinnen, Unterstützerinnen regionaler und lokaler Erzeuger, Lieferanten und Vereine. Sie sind verantwortlich für regionales Wachstum und die Lebensader der dörflichen Entwicklung. Zudem bietet der Beruf der Kauffrau besonders in ländlichen Regionen eine attraktive Perspektive.“

Stuhlfeldens Bürgermeisterin Sonja Ottenbacher appellierte besonders an ihre Kolleginnen in den Gemeinderäten, sich das Amt zuzutrauen: „Salzburg ist das Bundesland mit den wenigsten Bürgermeisterinnen. Die Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen im März 2019 sollten dafür genutzt werden, um möglichst viele Frauen zu ermutigen. Das Bürgermeisterinnenamt ist bei all den bekannten Herausforderungen ein Amt, in dem man viel gestalten und umsetzen kann. Ich glaube, es ist wichtig, dass auch das einmal kommuniziert wird.“

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